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Literatur

Fundstück:

 

Schafe, anders gesehen

 

Zur Geschichte des Schafes: der Mensch findet heute das Schaf dumm. Aber Gott hat es geliebt. Er hat die Menschen wiederholt mit Schafen verglichen. Sollte Gott ganz Unrecht haben?

Zur Psychologie des Schafes: der sichtbar gestaltete Ausdruck hoher Zustände ist dem der Blödheit nicht unähnlich.

Robert Musil, Kleine Prosa, Aphorismen aus dem Nachlaß zu Lebzeiten (1936)

Aktuell:

 

Ein komplexer und hinreißender Gedichtband: Farhard Showghis "Wolkenflug spielt Zerreissprobe" -

gerade erschienen im Berliner kookbooks-Verlag. Die Bücher dieses in Hamburg lebenden Autors und Arztes sind eine Art Antidot, ein Mittel gegen die Vergiftung durch Sprache. "Ich habe großen Respekt vor dem Wort" sagt Showghi, "wegen der ihm innewohnenden Unsicherheit. Ich kann mich einem Wort nicht nähern, ohne es zunächst von jedem Sinnballast zu befreien." Das Ergebnis ist eine Entgrenzung der Sprache, Auflösung von Zeit und Raum - sind Phantasiesprünge, tastende Emanationen in sprachliches Neuland, Rückgewinnung der  Langsamkeit, der Stille, des kontemplativen Nachdenkens. 

 

 

 

 

 

 

Mit Peter Kurzeck in Schloss Wiepersdorf/Brandenburg am 16.11.2003.

Peter Kurzeck starb am 25.11.2013

"Die Zukunft von damals, die hätten wir gern!"

 

Aus Peter Kurzecks Roman von 1985: "Kein Frühling"

"Alles würde letztlich wie ein Naturgesetz in das eine einzige ewige Buch münden, in dem ich das Weltall aufzeichne, für die Ewigkeit! Alles in Lebensgröße; Faksimiledruck, zusätzlich alle Details unter der Lupe. Die Zeit, jeder Augenblick im Fluß und zur Ewigkeit erstarrt. Alles von allen Seiten, aus allen Perspektiven und in jeder Beleuchtung. Kein Augenblick, kein Ton, keine Farbe, nicht die geringste Unebenheit, kein Hauch, nicht Grashalm noch Sandkorn würden je verloren sein! Dazu alle Wege, die ich ging, alle Vergangenheiten und Zukünfte und die ewige Zeit Gegenwart, in der ich es schreibe. Alles allgegenwärtig! Erst damit wäre die Schöpfung vollendet und das Leben könnte endlich beginnen!"

 

Aus Peter Kurzecks Roman von 1979: "Der Nussbaum gegenüber vom Laden in dem du dein Brot kaufst".

 

 

In HH-Wilhelmsburg anlässlich der Verleihung des Ehrenpreises der deutschen Schallplattenkritik an Harry Rowohlt am 03.01.2013.

Harry Rowohlt starb am 15. Juni 2015

 

 

Ich freue mich, Ihnen anzuzeigen, dass ich Sonntagnacht starb, wie ich geboren wurde, nur anders herum, in den Armen und Beinen meiner gesegneten Cordelia, mit einem Krampf zurückkehrend in den intimsten aller Familienkreise, steckengeblieben wie ein Hund, aber entstöpselt im Leichenschauhaus, auf dass ich verbrannt werde, eine alte Familientradition, verstreut nicht in Auschwitz, sondern auf irgendeiner passenden Bühne, um keine einzige Vorstellung zu versäumen.

George Tabori - "Memento Mori" aus dem Programmheft seines Stückes "Die Massenmörderin und ihre Freunde" S. 130, Uraufführung am 11.6.1995 im Akademietheater Wien.

George Tabori, geb. am 24.Mai 1914 in Budapest, starb am 23. Juli 2007 in Berlin.

George Tabori, als Greis - und 1986, da war er 72 Jahre alt.

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